“Das Leben ist nicht immer fair”

Ich bin Serena und ich bin 25 Jahre alt. Im Januar 2016 nahm ich teil am Advanced Kurs von Magen David Adom (MDA), dem israelischen Roten Kreuz. Nach dem Kurs arbeitete ich als Freiwillige in einem Krankenwagen in Jerusalem. Es waren aufregende Zeiten, wegen der vielen Terroranschläge. Dazu möchte ich zwei Ereignisse mitteilen, die mich besonders beeindruckt haben.

Das erste war an einem Montagnachmittag, ungefähr fünf Minuten vor dem Ende unseres Dienstes, als wir bereits auf dem Weg zurück zur Krankenwagenstation waren. Es kam die Meldung “In Horon gibt es einen Terroranschlag.” Wir drehten  sofort um und fuhren mit hoher Geschwindigkeit, Blaulicht und Sirene zum Ort des Attentats.

Dort waren zwei Frauen vor dem Eingang eines Supermarktes niedergestochen worden. Unsere Patientin war eine 23-jährige Frau, die bei den Einkäufen für ihre Grosseltern angegriffen worden war. Ihr Zustand war kritisch. Während wir sie ins Krankenhaus brachten, selbstverständlich mit Blaulicht, führten wir im Krankenwagen alle möglichen Handlungen durch, um ihr zu helfen.

Sie hatte mehrere Stichwunden und blutete heftig. Irgendwann mussten wir sie wiederbeleben. Im Krankenhaus übernahmen etwa zwanzig Ärzte und Krankenschwestern die Behandlung und taten alles, um ihr Leben zu retten. Leider ist sie am nächsten Morgen gestorben.

Ein paar Tage später hatte ich die Morgenschicht. Es war ziemlich ruhig, bis wir einen Anruf erhielten. Diesmal wegen eines Terroranschlags in Givat Zeev. Ein Terrorist hatte versucht, israelische Soldaten zu überfahren. Die Soldaten hatten ihn daraufhin angeschossen. Wir fuhren direkt zum Ort des Angriffs. Der Terrorist lag auf dem Boden und wir legten ihn auf unsere Trage.

Wir behandelten ihn wie jeden anderen Patienten. Ich hatte erwartet, Augen voll Hass zu sehen, aber stattdessen sah ich einen Teenager. Ich erkannte, dass er wahrscheinlich unter dem Einfluss seiner Familie stand, die ihn zu dieser schrecklichen Tat angestiftet hatte. Er blutete stark und wir brachten ihn ins Krankenhaus. Dort wurde er erfolgreich operiert.

Was für eine komplizierte Welt. An einem Tag hatten wir ein unschuldiges Opfer in unserem Krankenwagen und am nächsten Tag einen Terroristen. Und, wie seltsam, das unschuldige Opfer starb. Das Leben ist nicht immer fair.

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Joanne Nihom – Übersetzung Philip van den Berg & Heike Märki

Quelle: Isreality Niederland, übernommen von Christen an der Seite Israels Niederlande = Christenen voor Israel